Welcome to a world full of sun spots! It's about Love, Life, Fairy Tales, Useless Things and a little bit philosophical Thoughts. And 2009 it's a lot about Sydney and Australia.
PS: Here are also some english posts with the label "
please in english". Find out that life is really a box of chocolates!

Sunday, January 7, 2024

Ist man, wenn einem nichts mehr peinlich ist, nicht irgendwie tot?



Wenn ich mich ärgere, versuche ich nicht gleich zu reagieren. Ich schlafe drüber, warte ab. Ich versuche, hier was richtiger zu machen. Richtiger als sonst und richtiger als die anderen. Ich versuche, mich erwachsener zu verhalten. In Wahrheit gehört es natürlich zur Konfliktvermeidung. Und noch mehr, zu vermeiden, dass ich mich hinterher schäme. Aus der Rolle zu fallen ist nichts mehr für mich. Das muss ja auch nicht mehr sein. Das Gefühl danach, manchmal jahrelang danach, kennt man schließlich schon.

Andererseits hat es was von Totsein. Dieses unbedingte Vermeiden von vermeidbarer Angreifbarkeit.

Einfach mal wieder was Peinliches machen und Scheiß drauf! Nicht gemeint ist Verletzen und scheiß drauf. Was auch ein Ding von sogenanntem Erwachsensein ist. Umso älter man ist, um so mehr will man auch, dass es einem egal ist, was andere über einen denken. Mir fällt auf, dass manche Leute versuchen, Angreifbarkeit damit zu vermeiden, indem man `Arschloch sein und scheiß drauf`` übt. 

Wahrscheinlich geht es gar nicht darum, wieder mehr Peinlichkeit zu spüren. Damit kann ich genauso wenig umgehen wie vor  20 Jahren. Es geht vielmehr darum, das unbedingte, beinahe dogmatische Vermeiden zu lockern. Man ist eben angreifbar, wenn man nahbar, wenn man sichtbar ist. Und dann sind auch die Unvollkommenheiten sichtbar, also die Charakterzüge und damit verbundenen "Ausbrüche" und Aussprüche, die man nicht an sich mag. 

Wednesday, March 25, 2020

ab jetzt Abstandhalten


apokalyptisch - das war mein Instinktgefühl, als ich vor 2 Tagen das erste Mal in der menschenleergefegten Innenstadt war. Das Affenhirn morste, hier ist etwas unbegreifliches im Gang. Das Logikhirn brauchte eine Weile, um sich wieder Gehör zu verschaffen. Trotzdem rutschte ein tiefer Schluchzer aus dem Unbewussten an die Oberfläche. Fast floss eine Träne, was einfach zu peinlich war. Versuch dich, daran zu gewöhnen. Dann geht's gleich wieder.
Dann im REWE, wo ich mich in eine 3...4-Leute-Schlange im Abstand von 3 Treppenstufen einreihe und eine kurze Weile beobachte, was gerade vor sich ging. Immer wenn ein Kunde nach der Kasse seinen Einkaufswagen leergeräumt hat, stand eine fleißige junge Kassiererin mit rollenden Augen (weil ihr diese Aufgabe irgendwie unter ihrem Niveau erschien) bereit, um den zugeschobenen Wagen aufzufangen und den Handlauf zu desinfizieren. Kurz deutet sie im Small Talk mit dem vordersten Schlangenmann an, dass manche Leute das Prozedere nicht einsehen und Stress machen und sie alles abkriegt.
Als ich mit einem Wagen vor dem Bauch eine der paar Leute in der großen Kaufhalle bin, kommt es, wenn sich der Weg doch kreuzt, zu einem abstrusen Tanz. Jeder versucht 2 m Abstand zu halten. Wie wegpoppende Bälle fahren die Wagen samt erschrockenem Menschen dahinter aprupt rückwärts. Makroabstoßungskräfte. Ein junger Mann kreuzt (ob wahrscheinlich ähnlichen Produktbedarfes) wiederholt meinen Weg. Er scheint verzweifelt, lautete doch die gestellte Aufgabe Ausdemweggehen. Bei jeder Begegnung ein Zurück-auf-Los-Gefühl.

Sunday, March 22, 2020

Traumaufgabe


Meinen Traum aufgegeben.
Wie ein Paket.
Heißt, den Auftrag zum Transport gegeben.
Wem? Keinem.
Eher wie Flaschenpost.
Traum luftdicht verschlossen und ins Meer geworfen.
Wenn das mal nicht beinahe endgültiges Loslassen ist...
Auf jeden Fall abgegeben,
aus den eigenen Händen gegeben.
Also letztlich doch ein Aufgeben im herkömmlichen,
allgemeinverständlichen Sinne.

Noch herkömmlicher konnte der Tausch Traum gegen Sicherheit auch wirklich kaum sein.

Sehe mich hinterherstarren, wie der Traum, den ich schon gar nicht mehr fassen und benennen kann, wegtreibt.
Längst weggetrieben ist.
Vom Traum selbst ist nichts mehr sichtbar, nur die Bauzeit noch in guter Erinnerung.
Da war doch was.
War da wirklich was?
Ist es noch wichtig?
Ja!

Monday, September 4, 2017

Suche nach dem inneren Indien


Was zum Kuckuck wollte ich in Indien! Das frag ich mich seit 2 1/2 Jahren. Ich hab dort nichts gesucht und hab das, was ich nicht gesucht hab, gefunden. Vielleicht komme ich auch nicht runter von dem Trip, dass man nicht einfach, ohne was zu suchen, nach Indien fährt. Da muss immer mehr dahinter stecken.
Aber es war einfach, wie jeder längere Aufenthalt in der Fremde, zu dem man sich allein aufrafft, eine geile Zeit. Und steh ich ganz einfach drauf, über Indien zu lesen. Von den indischen Journalseiten auf Facebook, von indischen Freunden, indischen Autoren und Leuten, die in Indien waren und Bücher darüber schreiben oder Filme darüber machen. Ist doch ganz klar. Das hab ich nach Australien auch gemacht. Naja fast. Naja eigentlich auch wieder nicht. Nicht so besessen.

Etwas am Gedanken an Indien hat sich mich gegriffen. Und lässt nicht los. Und ich hab keine Ahnung was. Ich brauche einfach regelmäßig meine Dosis indische Denke. Etwas an dem, wie sie ticken, finde ich zutieftst normal und ist in unseren Breiten einfach nicht zu finden. Für einen Inder sind Wunder und Zauber vollkommen normal. Damit ist das Wunder alltäglich und die Abstraktion von Bedarf nach oder Mangel von kommt jedem Inder spanisch vor. Auch wenn sie das versuchen zu kopieren, begreifen sie nicht, wie man sein Herz an etwas, das nicht lebt, hängen kann. Dann die Sache mit der ewig unerfüllten Anerkennung, dem Buhlen nach Freundschaft und der ständigen Ausschau nach Loyalitätsbeweisen. Das begreift ein Inder nicht. Und ich auch nicht. Man liebt. Fertig.
So wie der Inder einfach liebt, gerät er aber auch in Raserei. Aus meiner Sicht ist der Inder ganz klar ein Auge-um-Auge-Typ. Typ kurzer Prozess. Ich bin eher langer Prozess. Oder gar kein Pozess, weil ich eine kluge Zahnbürste bin.
Vielleicht ist Indien wirklich am treffensten als Märchen zu beschreiben, denn die Märchen, die ich kenne, sind auch immer stereotypisch, phantasiebeflügelnd, zwischenzeitlich brutal, weise und ausnahmslos glücklich endend.

Sunday, September 3, 2017

So Weit soo gut!


Ich hatte jetzt geschlagene 120 Minuten feuchte Augen. Einen ganzen Film lang. Ohne Mist.
Wieder in der Wohnung angekommen, frage ich mich, ob ich weg will.

Vor 1 1/2 Wochen - an einem Dienstag- bin ich auf Facebook über den Film "Weit" gestolpert. Ein Post von Jane Goodall Institut Deutschland erwähnt ihn. Seitdem lässt er mich nicht mehr los Ich will den Film unbedingt sehen. Doch in Weimar ist der schon Mitte Juli gelaufen. Verpasst. Ich ziehe mir alle Trailer, Filmstückchen und Interviews mit den Machern Gwen und Patrick rein, die ich im Internet finden kann. Und immer wieder starre ich auf die Programme der Alternativkinos in Weimar. Keine Veränderung. Der Film kommt hier einfach nicht mehr.

Es ist Sonntag. Ich lese. Helge Timmerberg. Schon das dritte Buch von ihm in Folge. Er berichtet von seinen Reisen. Das erste Buch von ihm - Shiva Moon - lese ich letztes Jahr als Pauschaltourist in Gran Canaria als E-Book, weil ich zu wenig Bücher eingepackt habe und ich dieses Buch über Indien lesen will, seit Anna aus Norwegen mir das empfohlen hat. Das war vor 2 1/2 Jahren im November, als ich 2 Wochen lang mit Anna und noch zwei Umdieweltreisenden und unserem indischen Guide Jitender durch den Norden Indiens reise.

Es ist also Sonntag und ich bin etwa bei der Hälfte des Timmerbergbuches "Tiger fressen keine Yogis" angekommen. Es ist halb drei als ich die Zeile lese: "Ich träumte gerade ... von der unmöglichen Telefon-Kinoansage dort, ..." Weiter komme ich nicht. Ich schnappe mir mein Handy, um zum Xten Mal nach dem Kinoprogramm im Lichthaus-Kino zu googlen. Und da steht es. Unter "Aktuell im Programm" ganz oben. 15.20 Uhr "Weit - Die Geschichte von einem Weg um die Welt".
Ich werd verrückt. Das ist in 42 Minuten! Ich scrolle. Ich suche. Nein, kein weiterer Termin. Also los! 

Und als der Film anfängt, drückt mir beim allerersten Satz flüssige Ergriffenheit von ganz tief drinnen gegen die Augen und füllt während des Films immer wieder nach. Wenn das mal nicht das Universum ist, das mit mir spricht. Und ich spreche mit ihm.

Sunday, August 27, 2017

Als meine Omi Teenager war, wurde sie eingezogen_3. Teil

Juli 1944 - Oktober 1945, fast 2500 km

Der lange Weg nach Hause.
Auf dem Weg von Flensburg nach Lübeck begegneten die Mädchen deutschen Soldaten, die zusammengezogen wurden, um nach Frankreich in die Gefangenschaft abtransportiert zu werden. Viele von ihnen riefen die Leute, die vorbeikamen an, ob sie in die und die Richtung unterwegs seien. Einer fragte nach Schweinfurt. Da wollte meine Omi ja hin. Zu einer Cousine von ihr.
Sie lief zu ihm und bekam eine Uhr und einen Brief an die Mutter. Es ging dem etwa 25jährigen vor allem darum, dass seine Mutter erfuhr, dass er lebte und wo er war. Omi band sich die Uhr an den Oberarm, damit sie unentdeckt blieb.
Es war eindrucksvoll, erzählte meine Omi, wie der Heimtransport organisiert wurde. Unglaublich, dass überhaupt noch etwas organisiert ablief und nicht komplettes Chaos herrschte. Es gab einen riesigen Güterzug. Dort hinein drängten sich all die Menschen, die heim wollten.
Immer wieder gab es amerikanische Kontrollen. Da nahmen sie ihr die Uhr gleich wieder ab.
Zwischendurch hielt der Zug. Aber nicht lange. Gerade Zeit zum pinkeln.
Es muss Ende August, Anfang September gewesen sein. Zwetschgenzeit. Einige nutzten die kurzen Aufenthalte, um schnell ein paar Früchte von den nahe stehenden Bäumen zu rupfen. Einmal gab es einige Aufregung und man fragte verzweifelt nach Verbandszeug. Omi hatte eine sogenannte Russentasche bei sich. Ein derber Beutel, den man durch Drüberschlagen eines verlängerten Teiles schließen konnte. Darin bewahrte sie alles Mögliche zum Binden auf. Sie gab den ganzen Beutel hin.
Ein paar Mädchen hatten noch Zwetschgen runtergerissen als der Zug anfuhr. Auf dem Rückweg über die Schienen wurden sie von einem entgegenkommenden Zug erfasst.

Schweinfurt nach 1943
In Schweinfurt angekommen, fanden sich Ursel, Inge und Ilse in einer vollkommen zerstörten Stadt wieder. Das Haus der Cousine gab's nicht mehr. Sie frugen nach. Sie war in einem benachbarten Dorf bei einer Bauernfamilie untergekommen. Die nahm auch die drei Mädchen auf. Omi hielt ihr Versprechen und suchte von dort aus die Mutter des Soldaten auf und übergab den Brief des Soldaten.

65 Jahre später klingelt im Haus meiner Omi in Berka, ihrem Elternhaus, das Telefon. Ein Mann ist dran und berichtet, dass sein Vater Omi unbedingt besuchen möchte. Er möchte ihr persönlich danken, dass sie damals Wort gehalten und seiner Mutter die Nachricht überbracht hat, dass ihr Junge lebt. Das hat der armen Mutter viel bedeutet. Alles! Der Soldat kam irgendwann heim, gründete in Westdeutschland eine Familie und führte ein gutes Leben. Doch während all der Zeit hat er die Geste von damals nicht vergessen und das Vorkommnis hat ihn stets begleitet. Omi hatte keinerlei Hang zum Dramatischen und fand das eher albern nach all diesen Jahren. Für sie war das damals so natürlich, wie Forest Gump im Film einfach losläuft. Aber dann habe ich den im hohen Alter rührselig gewordenen Widwer im Sessel von Omis Stube sitzen sehen und in meinen Ohren kulminierte seine Dankbarkeit annähernd in einen Heiratsantrag. Omi warte nur ungeduldig die gebotene Höflichkeit, sich die ganze Dankesgeschichte des Mannes anzuhören und entschwand bald zu ihren ihr dringlicher erscheinenden Tätigkeiten

Doch wie kam man 1945 nach Hause in die Ostzone? Es gab Grenzführer. Zum Beispiel brachte man Gruppen von Melrichstadt nach Meiningen. Dafür gab man Geld, aber Omi hatte keins. Es ging trotzdem. Eines Nachts gings los. Zu Fuß. Quer durchs Gelände. Zwischendurch ein paar Pausen. Dann hieß es, wir sind da und der Grenzführer verließ die Gruppe. Sie waren oberhalb von Meiningen. Inge ist schon vorher abgebogen. Ilse und Ursel verabschiedeten sich am Meininger Bahnhof. Ursel musste in eine andere Richtung. Ilse fuhr nach Eisenach. Dann also allein im Zug. Endlich nach Hause! Was für ein Abenteuer, ruft meine Omi aus.
In Eisenach rief sie in Berka an. Es sprach sich rum wie ein Lauffeuer. Ilse kommt heim! Einer der drei letzten Mäderchen. Der Papa konnte mit einem Brauereiauto mitfahren. Doch Omi konnte nicht warten und hatte sich in der Zwischenzeit ebenfalls eine Mitfahrgelegenheit organisiert. Fast hätte man sich verpasst, doch Omi erkannte ihren Papa, der ihnen auf der Straße entgegenkam.
[den letzten Teil gibts im nächsten Post]


Friday, August 25, 2017

Als meine Omi Teenager war, wurde sie eingezogen_2. Teil


"Ich hab noch einen Koffer in Berlin. Bei Familie Straube."

Meine Omi kam zu einer FLAG-Gruppe, die für einen Scheinwerfer verantwortlich war. Der sollte feindliche Flieger anstrahlen. Das war ganz nah bei Berlin. Hinter Berlin. Im Grünen. Dort gab es auch Tieffliegerangriffe. Dann gings in den Keller. Nur einmal, meinte meine Omi, hatte sie richtig Angst. Das war bei so einem Angriff.
Dann kam der Befehl, den Scheinwerfer zu zerstören. Das war im Februar 1945. Der Befehl ging an den Unteroffizier, der bei den Mädchen war. Dem Befehl beigefügt waren 3 Packungen Dynamit. Eine für den Scheinwerfer, eine für die Kontrolleinrichtung und eine für die Maschinen, die den Scheinwerfer mit Strom versorgten. Es gab auch eine Gebrauchsanweisung. Alle in Deckung! Man wartete gespannt. Der Scheinwerfer war nur teilweise zerstört. Am Boden lagen Klumpen von dickem Glas. Nur das Nötigste einpacken und nichts wie weg. Omi steckte einen Glasklumpen ein. Zur Erinnerung. Sie behielt ihn aber nicht lange.
Berlin war die erste zerstörte Stadt, die sie zu Gesicht bekam. Es war beängstigend, eindrucksvoll, nicht zu beschreiben. Ein Aufruhr, ein Chaos. Alles ging drunter und drüber. Man musste weg. Alle mussten weg.
Sie hat einen riesigen Zug von KZ-Leuten gesehen. Weibliche SS. Schwarze Uniformen.
Als die Maiden auf Jungs vom männlichen Arbeitsdienst stießen, erfuhren sie, dass sich der Arbeitsdienst in Wismar sammelte. Vorwärts kam man zu Fuß oder sprang auf Güterzüge auf. Man sah immer zu, wo man was zu essen bekam.
Von Wismar ging es nach Schleswig-Holstein, nahe Flensburg. Das war nicht schlecht. Es gab viel zu essen. Das Meer. Schöne Tage.

Jeden Abend hörte man die Nachrichten. Dann die Nachricht, der Führer ist im Kampf um Berlin gefallen. Das war noch im Lager. Etliche der Führungsliga haben sich sofort umgebracht, erzählt meine Omi. Man riß sich die Banner von der Arbeitsdienstkleidung und kratzte akribisch das Hakenkreuz ab. Hier konnte man nicht bleiben. Nicht in einer so großen organisierten Einheit. Die Arbeitsdienstführerin organisierte, dass die Mädchen auf Bauernhöfen unterkamen. Da waren Ursel, Inge und Ilse, meine Omi, schon unzertrennlich. Sie kamen in benachbarten Höfen unter. Als Wegzehrung dorthin bekam jede eine Notration Kekse, süßen Tee, Schokolade mit der Anweisung, dies für den absoluten Notfall aufzubewahren. Meine Omi schnurpste sofort alles auf.
Auf den Höfen lernte Omi das Melken. Am Anfang war das nicht leicht und die Hände schmerzten fürchterlich.
Außerdem erinnert sie sich, dass irgendwann ihr Kamm nix mehr war, als der letzte Zinken abgebrochen ist. Jemand schenkte ihr einen Metallkamm. Schlimm war auch die Schnürsenkelsituation. Die Senkel waren längst durch. Ohne konnte man in den Stiefeln nicht laufen. Dann  drehte man sich Schnürsenkel aus Papier. Immer wieder und wieder, weil die beim ersten Regen hinüber waren.
So verging die Zeit. Doch irgendwann wollten die Mäderchen heim. Da hielt sie nichts mehr. Drei Arbeitsdienstmaiden mit wenig Gepäck. Nalos! Es hieß, ab Lübeck gibt es Transporte.Güterzüge. Aber nur in den Westen. In die Ostzone zu kommen war unmöglich.
[weiter geht's mit Teil 3]


Thursday, August 24, 2017

Als meine Omi Teenager war, wurde sie eingezogen_1. Teil


Die Kriegsgeschichten, die meine Omi erzählte, waren mir von Kindesbeinen an vertraut. Sie erzählte offenherzig, aber nie dramatisch. Meine Omi war ein Bauchmensch. Ihre Art der Erzählung macht ihr Erleben von damals klar und ist ohne nachträgliche Bewertung der Epoche mit all ihren Ausmaßen und Auswirkungen. Sie erzählte aus der Sicht eines Teenagers, der aus Abenteuerlust der Einberufung zum Arbeitsdienst folgte. Sie ist in der Kleinstadt Berka/ Werra geboren und aufgewachsen. Direkt an der späteren Deutsch-Deutschen Grenze zwischen Thüringen und Hessen, was nach dem Krieg die Grenze zweier Besatzungzonen war.


Omi war 14 als der Krieg ausbrach. Von einem Tag auf den anderen waren die Läden leer. Später bezahlte man mit Marken statt mit Mark. Noch später gab es in der Kleinstadt keine Männer mehr. Viele sind nicht mehr heimgekehrt. Es gab Familien, die hatten 4...5 Söhne und alle sind gefallen. Nach Berka kamen etliche Evakuierte. Die kamen mit einem Karton unterm Arm. Mehr hatten die nicht. Es kamen Kinder aus der Stadt. Sogar aus Berlin, die in den Familien untergebracht wurden. Kinderlandverschickung wurde das genannt. Es gab jahrelang keinen Zucker. Auch in den Nachkriegsjahren nicht. Praktisch nicht Süßes. Als mein Großvater aus der griechischen Gefangenschaft mal ein Päckchen mit Rosinen drin schickte, war das eine Rarität. Und die Russen haben '45 ihren Dackel Lumpi überfahren, als sie mit ihren Panzern durch Berka rollten. Sowas hat sie erzählt. Als sie dann über 80 war, hat sie mehr erzählt. Detaillierter. Das hab ich dann aufgeschrieben.

Am 10. Juli 1944 zog meine Omi in den Krieg. Genauer zum Arbeitsdienst. Sie war 19 und das einzige Kind meiner Uroma. Meine Uroma war außer sich und bat um Hilfe. Bäumler hätte gegen die Einberufung was machen können, aber Omi wollte los.
Nach Westpreußen. Irgendwo bei Danzig.
Wegen der Fliegerangriffe brachte sie ihr Papa bis hin. Es gab schon länger keinen Fliegeralarm mehr, doch schon in Eisenach war wieder einer.
Im Arbeitsdienstlager angekommen, waren in den ersten 4 Wochen nur Arbeiten im Lager zu verrichten. Dann bekam sie Außendiensteinsätze. Zur Kartoffelernte auf Bauernhöfen, oder um Stellungen zu graben. Man wurde dahin gefahren, erzählte sie, und bekam eine Schaufel in die Hand. Die Versorgung war schlecht. Die Front konnte man schon hören. Was so richtig los war, erfuhr man nicht. Auch nicht, als es hieß, dass die meisten Mädchen abkommandiert werden. Nur einige sollten dableiben. Meine Omi auch. Aber sie wollte nicht.
Wenn man sich abends, wenn alle in ihren Kojen lagen, über die Dinge unterhielt, die vor sich gingen, war man sich einig, dass es hier zu gefährlich wird. Es war inzwischen September. Heute weiß man, das die deutsche Niederlage zu diesem Zeitpunkt bereits unausweichlich war.
Omi kam, wahrscheinlich weil sie sich weigerte, zur FLAG. Fliegerabwehr. Andere kamen in den Straßenbahn- oder Eisenbahndienst. Es gab ja keine Männer mehr, kommentierte sie.
[weiter gehts mit Teil 2]

Wednesday, August 23, 2017

Der Affe und die Schnecke


Ist das Scheitern, wenn ICH über MICH hinausgehe und das MICH ne Schnecke ist und nich hinterherkommt?
Nee, wenn ICH es aushalte zu warten, bis MICH rangekommen ist und wieder in(s) M-ICH hineinschnippt.
Ich weiß einfach, dass das wieder passiert. ICH warte.

Ein Song dazu? Hier.

Für M-ICH-i ;-)

Tuesday, August 22, 2017

Aufgabe



Du gibst total schnell auf. Immer. Hat man mir neulich gesagt. Ja, sag ich, ich lasse es dann einfach sein.
EINFACHsein ist schließlich ein hohes Gut in den Tagen der Weisheit. Und in den Tagen der Kalendersprüche strebe ich das an.
Doch jetzt, wo du es sagst, spür ich plötzlich Verlust. Als ob ich was verpasst habe, jedes mal, wenn ich loslies, mich umdrehte, weiterging, neues Ding.
Neue Aufgabe. Erst liegt sie vor einem. Man bewältigt sie. Doch man hält dann nicht die Hand auf. Dann gibt man auf. Ich. Ich gebe sie auf. Die Gabe, das Geschenk, den Lohn. Weniger aus Bescheidenheit, obwohl mir das gut gefallen würde, mehr aus Märtyrertum. Ein Märtyrer des Seinlassens.
Das Märtyrertum hat sich zwischen 30 und 40 geändert. Jetzt, da ich das Lied nach 7 Jahren wiedergefunden habe, ist es wieder da. Dieses Gefühl, das sich bei dem anderen Martyrium einstellte und jetzt weg ist.
Es geht um die Selbstverständlichkeit, um etwas mit Leidenschaft zu kämpfen, obwohl es sinnlos ist.

Das Lied geht so:

Erinnerst du dich,
als wir noch Kinder waren,
und am Strand die tollsten Burgen gebaut haben?
Wie die Sonne unterging und die Flut langsam kam,
und die Wellen ohne Gnade uns langsam alles nahmen.

Und wir versuchten,
noch zu retten was nicht zu retten war.
Mit einer Leidenschaft gekämpft,
so sonderbar.


Geflucht und geschrien
und so chancenlos.
Uns keine Sekunde gefragt.
Was war mit uns los?

Und als es dann vorbei war
nur noch gelacht und schweissgebadet gefragt:
"Was haben wir gemacht?"

Wir konnten nicht gewinnen,

konnten nur verlieren.
Die Philosophen in uns begannen zu philosophieren:

Warum man trotzdem etwas tut, auch wenn es sinnlos ist,
Wenn du es doch besser lässt, wenn du vernünftig bist.


Wir sassen da und redeten
und die Sonne versank
und wir kamen zu dem Schluss, den ich schon damals so klasse fand.

Was hätten wir den tun sollen?

Was hätten wir den tun sollen?

Vielleicht ist es manchmal falsch,
gelassen zu bleiben.
Vielleicht ist es aber auch falsch
sich so zu entscheiden.
Doch als wir zusammen nicht aufgaben,
wir waren so stolz.
Kein blödes "Na Und?", kein leichtes "Was soll's".  

[Markus Wiebusch, Was hätten wir denn tun solln]

Der Song auf You Tube.

Und hier das Damals mit diesem Gefühl (vor fast 11 Jahren):
Nov. 2006, Sandburgen retten



Tuesday, February 5, 2013

My blueberry bumblebee

 
  1. OINTMENT
  2. BUMBLEBEE
  3. VLADIVOSTOCK
  4. BANANA
  5. TESTICLE

These are the most favorite words from Max (in the film Mary & Max).

I love this film and wonder, what words I could love. Here is my spontanous answer:
  1. BLAUBEER     (blueberry)
  2. DÄMMERSTÜNDCHEN     (sth. like gloaming hour)
  3. SHANTARAM          (Shantaram)
  4. MOND        (moon)
  5. SCHLUPF      (slip/ shelter)

Do you have any other ideas?

The pic: Sun spot Malayan tapir (Sonnenflecken-Schabrackentapir)

...

Sunday, January 13, 2013

Werde ein Anfänger!


Die Idee vom Anfängergeist gefällt mir. Es trifft zuerst mal den Nerv, dass der Wunsch nach Unbedarftheit besteht. Unvoreingenommen in die Welt zu blicken, mit Entdeckergeist und Erkundungsfreudigkeit ist doch eine herrliche Art zu leben. Tu so, als wüsstest du ganz und gar nicht, was dich hinter der nächsten Biegung erwartet! Schau mal wieder an den Häusern hoch, wie an deinen ersten Tagen in der Stadt! Ist dein großer Zeh nicht immer noch interessant? Dieser innere emporschnellende Satz, "ach, ich weiß schon, was jetzt kommt", lässt absterben, was jugendlich, neugierig und kreativ an uns ist.
Ich will ein Anfänger sein und überlege, ob man nicht mal wieder Wolken fotografiert, Singstunden nimmt oder wieder mit Laufen anfängt, als wüsste man nicht, wie das ist.


Zu diesem Thema begleiten mich seit letzten Juli folgende Worte von Dag Hammarskjöld:

Jeder Tag der erste,
jeder Tag ein Leben.

Empfehlung: Zen-Geist - Anfänger-Geist von Shunryu Suzuki als Hörbuch! Inspirierend auch für "Nichtsuchende", die einfach Bock darauf haben, mehr Leben mitzubekommen. (und für diejenigen, die am Fragen sind, was das hier alles soll, sowieso!)

Friday, January 11, 2013

Woandershin lauschen


Apropos woandershin lauschen:
Lauschen, was das Herz sagt, ist für uns verkopfte Menschen gar keine so leichte Übung. Als Basistraining gilt hier der Frage, wie ich mich fühle, ohne dass es mich interessiert, ob das richtig und gut oder falsch und schlecht ist. Es reicht vollkommen, das Gefühl festzustellen.

PS: Ich bin ein großer Fan von "Frog and the well", der mir oft genug aus dem Herzen spricht. Ein kleiner Tipp: folge dem Frosch auf Facebook!
Sehr empfehlenswert ist sein Buch "Unconventional Happiness" als Kindle-Version.

Thursday, January 10, 2013

Hör mal!

 
Worte sind eigentlich nicht geeignet, um ein Bild vom Anderen zu bekommen. Alle seine Worte erzeugen in mir meine eigenen Bilder. So ist das Bild, dass ich aufgrund von Worten von dir habe, immer meins und nicht deins, das du so gerne vermitteln willst.
Jetzt, wo ich weiß, wie das ist in der Welt der Worte, finde ich sie nicht mehr so wichtig. Klar sind sie wichtig zum spielen und sich zu erfreuen, aber nicht mehr zum erklären, rechtfertigen und gaukeln. Ich hab längst angefangen, woanders hinzulauschen, wahrzunehmen und zu vertrauen. Ruhig ist es geworden. Schön.

Wednesday, January 9, 2013

Leinen los!


Lass uns den Boden unter den Füßen verlieren!
Ich bin sicher, da kommt kein Fallen, da kommt Schweben.
Wir können spinnen, können schweben.
Spinnschweben!
Lass uns jetzt die Zukunft weben!
Sie ist noch blass,
am Kontrast können wir noch dreh'n.
Ist nicht alles fest, vieles ist noch Potenzial.
Wir haben die Wahl!

Tuesday, January 8, 2013

Was denken die Möwen in der Lübecker Bucht



Was sie wohl denken, diese Stegmöwen? Land in Sicht oder Dort hinten wirds hell. Ob sie auch so viel übers Wasser reden wie die Menschen an der Küste oder an der Elbe? Ob sie sich wundern über die Kutter, philosphieren über den Wind. Ob es ihnen je auch nur in den Sinn kommt, sich mit der Welle zu vergleichen und wenn sie besonders tiefgründig sind, mit dem Ozean und der Gleichzeitigkeit Welle zu sein?
Doch wohl nur die hinter der Linse sieht die Möwen denken, Wind, Welle und Meer und den Ring der einen.

Buchtipp vom Meer: Peter Schössow "Meehr!"

Monday, March 12, 2012

Rom!

Petersdom
Petersdom - Die Apostel
Forum Romanum
Das Colosseum
Pantheon
Petersdom - weithin sichtbar und eine der vielen hellblauen Kuppeln von Rom
Blick über Rom vom Campidoglio
Piazza Navona
Papstkirche Santa Maria Maggiore
Unglaublich, wieviel Romantik eine Stadt aus Stein provozieren kann! Rom! Muss man mit eigenen Augen gesehen haben!

Unbelievable, how much Romanticism a town made of stone can provoke! Rome! You must have seen it with your own eyes!

Thursday, January 26, 2012

Sich selber lauschen


Marcel Marceau, der Pantomime, der mit Stille bewegt, sagt, dass die Bilder, die wir während seiner Darstellung sehen, aus uns selbst herauskommen. Sie sind schon in uns und er hilft nur, uns zu erinnern.
Nichts anderes führt uns so deutlich vor Augen, dass wir in dem Gegenüber immer nur uns selbst sehen. Die Worte des Anderen lösen Assoziationen aus von etwas, dass nur wir kennen und unserem Gegenüber möglicherweise völlig unbekannt ist.
Der gute Nietzsche hat festgestellt, dass Worte immer nur zwischen den Menschen sind, und dass sie überhaupt nicht dafür geschaffen sind, unser Wesen zu erklären.
Wenn man schweigt, kann man besser hören. Man legt sein Gewand aus Wörtern ab. Man ist unverhüllt, aber unangreifbar.
Posted by Picasa

Monday, December 12, 2011

Fürspruch für Stadttauben

Seit es die Milbe dank Elektronenmikroskopie in die Nachrichten und sogar in die Bestsellerlisten geschafft hat, erfüllt es die sagrotanisierte Menschheit beim Gedanken daran mit Grauen, in ihr kuschliges Daunenbett zu steigen.
Besonders trifft das Wissen um die Milben die Stadttauben. Man sagt, ihr Gefieder ist voll davon. Sicherlich trifft das auch für alle anderen Vögel zu, doch besonders der Taubenliebe hat man den Gar ausgemacht. Vielleicht liegt es an dem besonders lauten, klatschenden Flügelschlag, der das Aufsteigen der eben noch pickenden und gurrenden Tauben unüberhörbar macht. Vielleicht ist es ihr Tiefflug knapp über unsere Köpfe hinweg, ihre geringe Scheu vor uns.
Jedenfalls sind sie die wohl größten Opfer unübertrefflichsten Ekels. Dabei war es für mich als Kind das allergrößte Vergnügen, mich an den individuenreichen Taubenschwarm auf dem Wittenberger Marktplatz zu Füßen Luthers oder Melanchthons heranzupirschen und trotz meiner Kleinheit diese Menge an Tieren aufzuscheuchen,

PS: Gegen Möwen sagt niemand etwas. Wahrscheinlich stimmt das Ozeanische die verpimpelten Menschen milbe milde.

Friday, November 18, 2011

Herbstlaubrechen

Morgens lief ich an einem großen Rascheln vorbei.
Vier Leute, Innenwelt unbekannt,
hatten Rechen in der Hand
und kämmten das hohe Laub
aus einer Wiese Haar.